Bericht unseres Zivildieners Wolfgang Dür

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Mein Name ist Wolfgang Dür und seit 6 Monaten bin ich Zivildiener im Sozialzentrum Alberschwende. Ich entschied mich zu dieser Art von Zivildienst, da mein Großvater auch pflegebedürftig war und da meine Mama ihn zu Hause pflegte, konnte ich mir ungefähr vorstellen, was mich erwartet.
Jedoch war es am Anfang eine große Umstellung, denn bis dahin hatte ich als Schüler quasi nur mit gleichaltrigen zu tun. Aber die Bewohner nahmen mich gleich herzlich auf und auch die Mitarbeiter/innen waren sehr hilfsbereit. Letztere geben einem auch immer Halt und bieten Hilfe an, falls ich mit einer Situation nicht ganz zurechtkomme.
Seit einige Bewohner wissen, dass ich noch Single bin, bekomme ich regelmäßig Tipps von ihnen. Auch beim gemeinsamen Wann&Wo lesen fragen sie mich immer wieder „und würde dir diese gefallen?“. Eine Bewohnerin meinte einmal sogar spaßhalber, ob ich nicht ihre Enkelin kennenlernen möchte, ihre Tochter meinte aber, dass diese schon ein bisschen zu alt für mich wäre.
Durch diesen Zivildienst habe ich aber auch begonnen, mir Fragen zu stellen die ich mir ansonsten so nie gestellt hätte. Unter anderem frage ich mich nun, wie werde ich sein, wenn ich alt werde. Werde ich dement werden oder vielleicht doch Krebs bekommen usw.. Jedoch habe ich auch tiefe Einblicke erlangt, wie solche Menschen auf ihrem Lebensweg bestmöglich begleitet werden.
Jeden Tag eine neue Erfahrung für mich ist der Umgang mit Demenz. So ist es äußerst Interessant diese Menschen zu begleiten, die manchmal in ihrer ganz eigenen Welt leben und eine individuell der Situation angepassten Betreuung benötigen. Am schlimmsten finde ich jedoch, wenn die Bewohnerin bzw. der Bewohner noch Phasen haben, in denen sie merken, dass sie nicht mehr wissen was vor ein paar Stunden war oder wo sie jetzt sind.
Auch zum Tod bekommt man einen ganz anderen Bezug, da immer wieder ein Bewohner stirbt. Wenn ich diesen Bewohner gekannt habe, gehe ich immer noch nach Möglichkeit zu ihm und verabschiede mich mit einem kurzen Gebet und einem einfachen „Pfüate“. Dabei gehen mir dann immer noch ein paar Momente durch den Kopf, die ich mit dieser Person verbringen durfte. Doch traurig werde ich eigentlich nicht, denn für viele ist es doch eine Erlösung von ihrem Leiden und ich durfte sie ein Stück weit begleiten und ihnen helfen so gut ich konnte. So war es für mich auch eine ganz spezielle Erfahrung als die erste Bewohnerin in dem Wohnbereich, in dem ich arbeite, starb. Es war schon einige Zeit vorher klar, dass es nicht mehr lange gehen kann, bis sie ihre letzte große Reise antritt. Dadurch war es ein langsamer Prozess des Abschieds.
Resümierend muss ich sagen, dass dieser Zivildienst mir die Chance gegeben hat, einen Einblick in eine soziale Tätigkeit zu geben, die ich sonst nicht gehabt hätte. Weiters ist er eine Art Schule fürs Leben die ich so nicht missen möchte denn man wird doch schon dazu animiert sich über das eigene Leben und vor allem über das älter werden, Gedanken zu machen. Daher kann ich jedem nur empfehlen, seinen Zivildienst im Sozialzentrum Alberschwende abzuleisten und bei den Bewohnern und Mitarbeitern möchte ich mich für die schöne gemeinsame Zeit bedanken.
Wolfgang Dür

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