Höchst stellt Ehrenamt professionell auf

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Zum ehrenamtlichen Engagement im Altenwohnheim Höchst kam Maria Prietl, weil sie von der Leiterin des Sozialsprengels Rheindelta, Andrea Trappel, gefragt wurde. Denn in Höchst werde das Ehrenamt gerade neu aufgebaut. Zunächst dachte sie sich, sie könne dadurch viele neue Kontakte knüpfen, weil sie neu im Ort war und sich irgendwie verlassen vorkam. Sie wurde Mitglied bei „Senioren für Senioren“ und hat sich für das Projekt „Vorlesen“ entschieden. Denn das entspreche ihrem Naturell.
Doch dann entdeckte Maria Prietl, dass die gemeinsamen Erlebnisse mit den Bewohner/innen in Höchst weit mehr waren als bloßer Zeitvertreib oder Kontakte sammeln. Es gab ihr ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden, und heute ist es ihr „eine Ehre, in diesem Amt mit den Bewohner/innen des Altenwohnheimes zu lesen oder einfach nur zu quatschen oder Bilder anzusehen“. Zudem werde das Ehrenamt in Höchst sehr professionell auf Schiene gebracht, und sie könne von Anfang an dabei sein.
Professionelle Aufstellung des Ehrenamts
Gemeinsam mit ihrem Team hat Heim- und Plegeleiterin Sylvia Dietrich das Ehrenamt entlang von vier Sparten aufgestellt: 1. Musik mit Singnachmittagen und der Messgestaltung, 2. Spezialteams im Sinne von Begleitservices für Arztbesuche und andere Termine der Bewohner/innen sowie Mithilfe bei diversen Festlichkeiten, 3. Freizeitaktivitäten mit Spielenachmittagen, mit Basteln und Vorlesen und 4. Zusatzangebote wie die „Nachtstubat“ und gemeinsam Spaziergänge.
„Das Ehrenamt bringt das Dorf ins Haus und aktiviert das Geschehen im Heim. Unsere Heimbewohner/innen sind ein wenig wie ‚Heimkatzen‘. Da tun Impulse von außen gut, damit man sich etwas öfter aus den eigenen vier Wänden bewegt“, so Heimleiterin Dietrich. Insgesamt konnten bis Ende Januar 16 Bürger/innen durch einen Flyer und Mund-zu-Mund-Propaganda für die ehrenamtliche Mitarbeit gewonnen werden. Wesentlich beteiligt waren und sind die Pfarre Höchst und der Sozialsprengel Rheindelta. 
Es geht um Begegnung und positive Erlebnisse
Wesentlich ist, die Bedürfnisse der Bewohner/innen bei der Gestaltung ehrenamtlicher Aktivitäten zu respektieren. Man holt sie deshalb in ihrer Lebenswelt ab. Dabei hat die Ehrenamtliche Herlinde Moosmann beim gemeinsamen Singen und Musizieren in der Stube wertvolle Erlebnisse: „Dass Menschen, die sonst nur noch still sind, auf einmal laut mitsingen, erzeugt eine unglaublich liebe Stimmung, auch beim Personal.“ Und so schallen regelmäßig alte Schlager und Lieder von früher, wie das „Wälderbähnle“, durchs Heim.
„Musik ist ein gutes Mittel, um positive Erlebnisse zu schaffen. Wir fangen aber nicht gleich an, zu singen, sondern reden zuerst miteinander. Es geht nicht um Leistung, sondern die Begegnung und das Zusammensein. Involviert werden die, welche in der Stube sind. Jene, die das Interesse verlieren, stehen einfach auf und gehen. Nach 1,5 Stunden ist es vorbei, sonst wird es zu viel“, schildert Herlinde Moosmann die Singnachmittage, wobei einmal im Monat die Handorgel begleitet und quartalsweise der Männerchor unterstützt.
Die „Nachtstubat“ als neue Idee des Ehrenamts
Eigentlich ist das Konzept schon sehr alt. Und eigentlich sagt man „Nahtstubat“ dazu. Doch das trauten sich die Höchster dann doch nicht, neben dem Import einer Bregenzerwälder Tradition auch noch das wälderische Originalwort dafür zu kopieren. „Auch von der Aussprache her täten wir uns da sehr schwer“, begründet Herlinde Moosmann ihre neue Wortkreation. Aber worum soll es bei einer „Nachtstubat“ gehen? Wie im Bregenzerwald darum, dass man gegen Abend im Heim auf Besuch kommt, plaudert, musiziert und es fein hat.
„Wir fangen mit einem Grüß Gott und einer Vorstellungsrunde an und versuchen, ins Gespräch zu kommen. Über Gott und die Welt, Aktuelles wie die Bürgermeisterwahlen, übers Essen und Abnehmen oder über strittige Themen. Man kann von früher erzählen, gemeinsam eine Gute Nacht-Geschichte lesen oder gemeinsam singen und spielen. Wir können auch jemand einladen, wie die Herren Pfarrer oder Bürgermeister. Es können auch Menschen kommen, die am Abend sonst alleine sind“, erklärt Herlinde Moosmann die Idee.
Bereits das Lächeln einer Bewohnerin motiviert
Noch sind Sylvia Dietrich und Herlinde Moosmann skeptisch, ob die „Nachtstubat“ dauerhaft angenommen wird. Start war erst im März. Doch auch wenn es sich zunächst einspielen muss, sie wollen weiterhin etwas anbieten, damit die Bewohner/innen noch mehr von ihrem Tag haben, denn sonst gehen sie meistens bereits um 18 Uhr ins Bett. Zufrieden sind sie, wenn man zu siebt oder zu acht ins Gespräch kommt, wenn der/die eine oder andere Bewohner/in danach sagt, „da hat man’s hetzig ka“ oder „ich freue mich aufs nächste Mal“.
Auf ihre bisherigen Erlebnisse mit Bewohner/innen angesprochen, erinnert sich Herlinde Moosmann an das Lächeln einer Bewohnerin, die beim gemeinsamen Musizieren dabei war, obwohl sie nicht mitgesungen hatte, aber auch an die ehemalige Opernsängerin, die ihr einen Korb gab, weil sie jeden Abend ein Konzert gebe und deshalb nicht mitmachen könne: „Was  Du gibst, kommt zurück. Du spürst die Dankbarkeit. Und für mich ist es eine gute Anlernzeit für meine künftige Zeit im Heim. All das motiviert mich, hier dabei zu sein.“

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